Weltbürgertum und
Mündigkeit
Ein Beitrag zum neuen
Weltbürger-Bewußtsein
Ziel des neuen Weltbürger-Bewußtseins ist es, in der
gesamten Menschheit eine politische Einheit zu sehen, um ein friedliches
Miteinander zu erreichen. Um diese Vorstellung verwirklichen zu können,
müssen genügend einzelne Menschen ihre innere Stabilität, ihre Identität
aus sich selbst heraus in individueller Verbundenheit zum Weltganzen
gebildet haben und nicht durch Bekenntnisse zu religiösen oder ethnischen
Gruppierungen, die sich von anderen Menschen abgrenzen. Das heißt, sie
müssen in der Lage, also innerlich so stabil sein, ihre Verbundenheit zum
universellen Menschentum über ihre Verbundenheit zu einem religiösen oder
ethnischen Bekenntnis zu stellen, wenn sie ein Weltbürgertum nachhaltig
praktizieren wollen.
Wie die Realität zeigt, entstehen in unserer Zeit immer
wieder gewaltsame Konflikte, in denen religiöse oder ethnische Gründe eine
übergeordnete Rolle spielen. Zu viele Menschen gründen ihre Identität noch
in diesen abgrenzenden Bereichen, sie haben die Grenzen zum freien, zum
eigen- und mitverantwortlichen universellen Menschentum noch nicht
überschritten.
Ein Maßstab für die Fähigkeit zum Überschreiten der
Grenzen könnte der erweiterte Begriff der Mündigkeit sein. Mündigkeit
nicht nur in dem bisher hauptsächlich verwendeten rechtlichen Sinn von
Volljährigkeit und Geschäftsfähigkeit, sondern erweitert im Sinn der
Fähigkeit, sich selbst kritisch wahrnehmen und sich in eine bewußte
Beziehung zum Weltganzen bringen zu können.
Kriterien der
Mündigkeit
Mündigkeit bedeutet
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mehr als nur Volljährigkeit. Mündigkeit heißt, eine
kritische Distanz nicht nur zu seiner Mitwelt, sondern vor allem auch zu
sich selbst zu haben, für sich selbst voll- und für seine Mitwelt
mitverantwortlich sein zu können und zu wollen;
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Irrtümer, Fehler, Ängste, Unfähigkeiten, sich selbst und
anderen eingestehen zu können;
Kriterien der
Unmündigkeit
Unmündigkeit ist
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das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines
anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die
Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung
und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu
bedienen (Immanuel Kant);
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Personenkult; Identifikation mit Film-, Sportstars,
erfolgreichen Personen, mit Gruppierungen, abgrenzenden Ideologien;
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Neid, Mißgunst, Haß, Feindbild, Rassismus;
Mündigkeit in einem erweiterten, umfassenden Sinn
verstanden wäre ein wichtiger Maßstab zur Verwirklichung des Menschen,
gemäß seiner von der Natur her gegebenen Anlagen, zu einem
stabilisierenden Faktor der Evolution. Die übergeordnete Orientierung
könnte das Ideal von einem universellen Humanismus, vom verantwortlichen
Menschentum sein, das alle Menschen unserer einen Welt vereint und zu
sozial und ökologisch handelnden Gemeinschaftswesen führt, die zu einem
friedlichen Miteinander mit ihren Mitmenschen und mit der Natur fähig und
willens sind. Eine friedliche Welt braucht ein Weltbürgertum, und dieses
Weltbürgertum braucht friedensfähige, das heißt mündige Menschen.
Rudolf Kuhr
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Mündigkeit
bedeutet mehr als nur Volljährigkeit. Mündigkeit heißt, eine
kritische Distanz nicht nur zu seiner Mitwelt, sondern vor allem
auch zu sich selbst zu haben, für sich selbst voll- und für seine
Mitwelt mitverantwortlich sein zu können und zu wollen.
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Menschlichkeit - Humanismus als Grundlage' siehe Info.
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Humanistische
AKTION
2/1995,2 Kritik, Anregungen zu Form und Inhalt Dialog sowie
unveränderter Nachdruck bei Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht.
Kürzungen und Änderungen nach Absprache möglich.
www.humanistische-aktion.de/muendig.htm
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