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Zeichnung “Weltweite Bruderkette”

Das Motto ist: Kehre vor deiner eignen Tür.

Ich dachte, darüber zu reden, was vor und während des 3.Reiches passierte, als man in Deutschland nichts mehr von Brüdelichkeit und Bruderkette wissen wollte, chauvinistisch und nationalistisch, wie man war. Aber das laß ich mal.

Ich dachte, darüber zu reden, daß man bis heute noch (aus unterschiedlichen Gründen) die Prince Hall Maurer oft nicht anerkennt. Daß früher (und auch heute noch) die Hautfarbe brüderliches Zusammensein verhinderte. Aber auch da laß ich.

Und ich dachte darüber zu reden, daß wir es bis heute nicht geschafft haben, einige andere Lehrarten anzuerkennen, die auch maurerisch arbeiten, die gleichen Werte haben wie wir. Daß es Besuchsverbote gibt, die sich für freie Menschen nicht geziemen. Aber auch das übergehe ich.

“Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.” Johann Wolfgang von Goethe

Wenn wir uns “Brüder” nennen, dann sind wir doch eine große Familie - oder? Dazu ein Blick in das BdHG welches hier liegt:

Matthäus 12, 46 – 49. Als er noch zu der Volksmenge sprach, siehe, da stand seine Mutter und seine Brüder draußen und wollten mit ihm reden. Da sprach einer zu ihm: “Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden.” Er antwortete und sprach zu dem, der es ihm ansagte: “Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder?” Und er streckte seine Hand aus über seine Jünger und sprach: “Siehe da, meine Mutter und meine Brüder.”

Tatsächlich kommt es nicht auf die Lehrart an, auf die Anerkennungsverhältnisse, sondern ist ein wirklich Inneres, das echte Brüderlichkeit schafft.

Und zum Begriff “Familie” schaue ich in dieses kleine Büchelchen: The Complete Manual of Freemasonry in dem es heißt: “Recognise that the success of the Lodge is in your hands, and that it is your duty to give your Mother your best service.” Ja, die Loge wird hier zur Mutter! Natürlich auch, in jeder Familie kann es Streit geben, aber “Humanität kann nicht in der Einsamkeit entstehen.” sagt Karl Jaspers.

"Der Mensch zeigt sich als Seiendes, das redet." Heidegger, Sein und Zeit, § 34. Reden heißt, dem Gegenüber nah sein. Gemeinschaft haben. Obschon die Rede als solche nicht zur Verständigung führt, sondern das Verständnis führt zur achtsamen Rede. Verständnis bedeutet, sich mit Respekt und liebevoll dem Anderen nähern. Deshalb sagt auch unser Bruder Jens Oberheide: “Das Einüben der Brüderlichkeit bleibt Hauptaufgabe in den Logen.Die Quote des Scheiterns ist in diesem elementaren Feld besonders groß und hat mit Goethes ‚Symbolon‘ zu tun: “Des Maurers Wandeln, es gleicht dem Leben, und sein Bestreben, es gleicht dem Handeln der Menschen auf Erden.” Mit anderen Worten: Leider entsprechen wir mehr oder weniger dem Alltag, dem wir doch eigentlich entfliehen wollten. So wird das hehre Ideengebäude unserer K.K. oft zu einer ideellen Fluchtburg.

Dazu eine kleine ZENgeschichte:

Ein Handwerker spazierte durch einen Steinbruch, als er Zeuge eines Gepräches zwischen dem Meister des Steinbruches und einem Bildhauer wurde.

“Gib mir den besten Marmorstein den du hast,” sagte der Bildhauer.
“Jeder Stein in meinem Steinbruch ist der Beste,” entgegnete der Meister. “Du wirst hier keinen Stein in meinem Steinbruch finden, der nicht der Beste ist.”
In diesem Augenblick wurde der Handwerker erleuchtet.

In seiner "Anthropologie in pragmatischer Hinsicht" (1798) schrieb Immanuel Kant folgendes: "Sich selbst unmündig zu machen ... ist doch sehr bequem und natürlicherweise kann es nicht an Häuptern fehlen, die diese Lenksamkeit des großen Haufens (weil er von selbst sich schwerlich vereinigt) zu benutzen, und die Gefahr, sich ohne Leitung eines anderen, seines eigenen Verstandes zu bedienen, als sehr groß, ja als tödlich vorzustellen wissen werden. Staatsoberhäupter nennen sich Landesväter, weil sie es besser als ihre Unter-tanen verstehen, wie diese glücklich zu machen sind; das Volk aber ist, seines eigenen Besten wegen, zu einer beständigen Unmündigkeit verurteilt." Irgendwie kommt uns das doch bekannt vor, denn als hierarchisch strukturiertes Gebilde ist in den Logen die Gefahr des Zurücklehnens evident.

"Ein Paradigma ist das Brett, das alle vor dem Kopf haben. ... Voraussetzungen, die keiner mehr hinterfragt."

Wo liegt die Perspektive? Die Menschen wollen, gerade in unsicherer und wandelvoller Zeit, Authentizität. Sie haben eine wachsende, wenn auch oft konfuse Sehnsucht nach allgemeinmenschlichen Idealen, nach unmittelbarer Begegnung mit dem "Anderen" und nach einer direkten Sprache, die aus dem Herzen kommt. Sie haben Sehnsucht nach der begründeten Einheit von Idee und Tat, die der eine am anderen erleben kann. Sie haben, kurz gesagt, Sehnsucht nach einem echten, pluralitätsfähigen Ideenrealismus. Die Perspektive für die Freimaurerei ist deshalb: einen Weg zu finden, Pluralismus und Idealismus miteinander zu verbinden.

“Probleme lassen sich nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben.” Albert Einstein, Physiker (1879-1955) Also müssen wir als Erstes unser eigenes Denken reflektieren.

“Ohne kritischen Einspruch, ohne das Engagement unbequemer Denker verkümmert eine Gesellschaft. Wir brauchen Streit und Widerspruch, wir brauchen die Zumutungen und Fragen unabhängiger Köpfe.” Roman Herzog, Ex-Bundespräsident.

Dieses sind Fragen der Moral. Aber was ist die Moral denn eigentlich? Im wesentlichen doch wohl ein Sprechen über das, was getan werden soll, und das, was nicht getan werden darf, im Grunde also ein Nachdenken über die verschiedenen Formen der Achtung des Anderen, wobei wir selbstverständlich stets immer auch der jeweils "Andere" sind: den Anderen nicht benutzen, ihn nicht wie eine Sache behandeln, ihm nicht grundlos Unrecht zufügen usw. Kurzum: Die Moral ist dann von Bedeutung, wenn es an ihr mangelt, weil sie die Bedingung für ein friedliches und zivilisiertes Zusammenleben darstellt. - Aber sie gibt uns keinerlei Auskunft über den Sinn unseres Daseins, über das, was wir daraus machen sollten, selbst wenn das Ideal der Achtung des Anderen auf Erden vollständig verwirklicht wäre. Selbst wenn wir vollkommen moralische Wesen, Heilige, wären, würde uns dies doch keineswegs daran hindern, unglücklich verliebt oder krank zu sein, zu sterben oder Probleme bei der Erziehung unserer Kinder zu haben usw. Kurzum: Es gibt eine Reihe von Fragen, die nicht in den Bereich der Moral fallen, sondern in den Bereich der früher so genannten "Lebensklugheit", in der sich das philosophische Ideal in seinen wesentlichen Zügen widerspiegelt.

Unsere Philosophie geht hervor aus einem ursprünglichen Imupuls des anschaulichen Lebens. Dieser Impuls umschließt nicht nur das Staunen, sondern gleichrangig das Zweifeln. Die aus Staunen und Zweifeln geborene Nachdenklichkeit, das ist lebendige Weltweisheit, methodisch geschulte Reflexion und Selbstreflexion. Sie äußert sich

–    als Wahrhaftigkeit im Sprechen,

–    als Ernsthaftigkeit im Denken,

– als Gewissenhaftigkeit im Handeln,

– als Heiterkeit im Erspüren und Erschauen des Schönen in der Welt.

Von diesen drei Grundbereichen der Philosophie, die erstmals Plato unterschieden hat – dem Wahren, dem Guten, dem Schönen –, ist die Freimaurerei inspiriert.

Alles geht vom Menschen aus und führt zum Menschen zurück. Loge ist auch die Suche nach dem Menschen, nach Lebensqualität und Sinn. Und wenn es im Ritual heißt: “Geht hinaus in die Welt und bewährt euch als Freimaurer.” Dann meint das auch ganz umsetzbare Stichworte: Trennendes überwinden, Gegensätze abbauen, Verständigung suchen, Mitverantwortung übernehmen, Brücken bauen, Zivilcourage zeigen. Mutig streiten gegen Chauvinismus und Dogmatismus. Mitleidig sein, Anteil nehmen am Schicksal Anderer. Standesdünkel bekämpfen, Vorurteile nicht zulassen. Offen sein für das Gespräch. Redlich und anständig sein. Das kann man wollen, das kann man lernen, das kann man miteinander einüben, das kann man tun.

So wie Erich Fromm in "Haben und Sein" schreibt: “Wir sind, wofür wir uns hingeben, und an was wir uns hingeben, das motiviert unser Verhalten. Aber ein Weltbild reicht als Richtschnur des Handelns nicht aus; wir brauchen ein Ziel, an dem wir uns orientieren können ... ein Objekt totaler Hingabe, einen Brennpunkt für alles Streben und zugleich eine Grundlage für unsere tatsächlichen - nicht nur die problematisierten - Werte.” Vielleicht ist die K.K. in der Lage uns dazu einige Hinweise zu geben.

Ein gerade frisch erhobener Meistermaurer ging nach der Logenarbeitzu seinem Meister vom Stuhl. Er war sehr aufgeregt und durcheinander.

MM: “Ehrwürdiger Meister, nun bin ich zum Sublimen Grad des MeisterMaurers erhoben worden, aber ich bin konfuser als zuvor. Ich habe die Worte, die du während meiner Erhebung in mein Ohr sprachst, nicht verstanden. Würdest du sie mir bitte erklären?”

MvSt: “Bruder, als du in dieser Loge aufgenommen wurdest, sagte ich dir, daß ich dir die Meisterworte erklären würde?”

MM: “Nein, ehrwürdiger Meister.”

MvSt: “Bruder, als du dein Aufnahmegesuch für diese Loge abgabst, sagte ich dir, daß ich dir das Meisterwort gäbe?”

MM: “Nein, ehrwürdiger Meister.”

MvSt: “Bruder, hast du dich um Aufnahme in diese Loge beworben um das Meisterwort zu bekommen?”
 

MM: “Wie konnte ich denn? Als ich mich um die Aufnahme bemühte, wußte ich nicht einmal, daß ein Meisterwort existierte. Nun weiß ich es, aber trotzdem verstehe ich es nicht. Allerdings hatte ich vorher nicht den leisesten Schimmer, daß ich irgendetwas vermisse.”
 

MvSt: “Und – erinnerst du dich, wo du als erstes vorbereitet wurdest, ein Freimaurer zu sein?”
 

MM: “Ja, in meinem Herzen.”
 

In dieser Sekunde ging dem MM ein Licht auf.
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Last Update  April 11, 2012

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